Die folgenden Zeilen versuchen das Leben des Künstlers und seine Zeit zu beleuchten.

 Ein Eintrag in einem biographischen Künstlerlexikon, Herausgeber Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, gibt 1882 folgende Auskunft:

 „Nickol, Karl Friedrich Adolf, Tier- und Landschaftsmaler, geboren 1824 zu Schöppenstedt (Braunschweig), Schüler von Heinrich Brandes in Braunschweig, bildete sich nachher in München und durch Studienreisen in Belgien, Holland, Frankreich und Italien weiter aus. Unter seinen poetisch aufgefassten, meistens mit Vieh staffierten Landschaften nennen wir:

Mondnacht in Holland, Mondscheinlandschaft mit Viehstaffage, der Geizhals (Tierbild), Kampf mit dem Adler und namentlich die vier italienischen Landschaften (Tageszeiten) im Festsaal des Schlosses zu Braunschweig, denen sich sieben andere Landschaften im Saal eines dortigen Privatmanns würdig anreihen. Er ist Lehrer der zeichnenden Künste am Polytechnikum in Braunschweig.“

 Der Großneffe des Malers, Johannes Nickol, (*23.05.1869 – †20.04.1957) Schriftsteller, hat in seiner Familienchronik Adolf Nickols gedacht und seine Erlebnisse mit der ausgeprägten Persönlichkeit des Künstlers niedergeschrieben, den er erst bewusst kennen lernte, als dieser schon das 50. Lebensjahr überschritten hatte. Auszüge aus der Chronik sind kursiv gekennzeichnet.

 Herkunft des Künstlers:

Sein Vater Heinrich Anton Karl Julius Nickol, ev. luth. (*13.01.1778 – †18.01.1854) geboren zu Schöppenstedt, Bürger, Schwarz- und Schönfärbermeister heiratete am 24.04.1800 zu Groß–Winnigstedt die zu Schöppenstedt geborene Tischlermeistertochter Johanna Magdalena Luise Niemeier (*24.11.1781 – †16.08.1848)

Die Nickols (anfangs Nicol geschrieben, ein in England gebräuchlicher Familienname) sind vorläufig bis 1718 in Wolfenbüttel nachweisbar, lebten aber im nicht weit entfernten Schöppenstedt.

Aus der Ehe Karl Nickol mit Luise Niemeier gingen von 1800 bis 1824 sieben Kinder hervor.

Der älteste Sohn Karl wurde wie sein Vater Färbermeister, verstarb nur dreiunddreißigjährig. Der 2. Sohn verstarb schon nach wenigen Wochen. Der 3. Sohn August (1807-1849) wurde ebenfalls wie sein Vater Färbermeister und hatte mit Philippine Schliephake aus Schöppenstedt (1810-1855) drei Kinder. Aus dieser Linie leben noch Nachkommen.

Der 4. Sohn Eduard (1809- 1850) wurde Kaufmann in Helmstedt und hatte mit Emilie Campe aus Gardelegen (1802- 1838) einen Sohn namens Johannes (1838-1890). Dieser kostete der Mutter bei der Geburt das Leben. Johannes wurde ein erfolgreicher Bankier in Berlin. Aus der Verbindung mit Adelheid Kirchhoff (1843-1919) aus Gardelegen leben bis heute Nachkommen. Vom 5. Sohn Ernst Conrad Ludwig ist nur bekannt, dass er am 13.4.1814 in Schöppenstedt geboren wurde. Der 6. Sohn Heinrich Gustav wurde am 21.1.1821 in Schöppenstedt geboren und suchte sein Glück in Südamerika. Der 7. und letzte Sohn Friedrich Carl Adolph ist unser Maler.

Das Bild, das mein Großonkel Adolph mit 18 Jahren, 1842 von ihm in Öl gemalt hat, im Format von 20:30 cm zeigte ein freundliches rundliches Gesicht des 64 jährigen in frischen Farben. Unter kräftigen Augenbrauen blinkten ein paar schelmische braune Augen frisch in die Welt. Die mittelhohe Stirn wurde von kurzen grauen Locken umrahmt. Die Nase war von normaler Länge, in der Mitte des Rückens durch ein kräftiges Nasenbein leicht gegliedert, der Mund fein geschwungen, das Kinn rundlich. Aber das ganze Gesicht glatt rasiert, der untere Teil durch flache Nasenfalten leicht modelliert.

 Die wirtschaftliche Lage war nach den napoleonischen Kriegen recht drückend. So dass es vorkam, dass diese Leute, die Handwerker und Grundbesitzer waren, sich im Wirtshaus abends mit einem Glas Zuckerwasser für 3 Pfennige begnügen mussten.

Der Unterhalt zahlreicher Kinder zwang auch zu größerer Sparsamkeit in der Kleinstadt Schöppenstedt.

Früh zeigte sich bei Adolph das künstlerische Talent, das schon bei seinem Vater, dem Färbermeister, in gewissem Grad vorhanden gewesen sein muss.

Wenigstens erzählte mir mein Vater gelegentlich, dass ihm sein Großvater öfter etwas vorgezeichnet habe. Onkel Adolph behauptete einmal mir gegenüber, dass sein ältester Bruder Karl (1800 – 1833) noch begabter als er selbst gewesen sei, doch hätte die Armut der Zeiten nicht erlaubt ihn die Künstlerlaufbahn einschlagen zu lassen.

Dies glückte erst ihm, gerade weil er der Jüngste war. Er wurde sehr früh ein Schüler von Prof. Brandes in Braunschweig, dessen Nachfolger er später als Zeichenlehrer am Polytechnikum wurde.

 Ausbildung in Braunschweig

 1838: Sein Vater, der Färbermeister, erkannte früh das Talent seines jüngsten Sohnes und gab ihn zur Ausbildung bei Georg Heinrich Brandes am Collegium Carolinum, heute Technische Universität Braunschweig. Schon bald assistierte er ihm und unterrichtete ab 1856 auch die Zeichenklasse. Der Umgang mit Farben war ihm von klein auf vertraut, da diese auf dem Dachboden gelagerten auch schon mal als Spielzeug dienten.

 Die heutige Technische Universität Braunschweig geht zurück auf eine Anregung aus dem Jahr 174 des Hofpredigers J. F. W. Jerusalem durch Carl I. unter dem Namen Collegium Carolinum in Braunschweig gegründete Bildungsinstitution, die zwischen Gymnasium und Universität eingeordnet werden kann. Die Aufgabe des am Bohlweg angesiedelten Collegium Carolinum war zunächst u.a. die Ausbildung von Beamten. Mit der Berufung von Literaturhistorikern wie Johann Joachim Eschenburg und dem Kreis der Bremer Beiträge, Herausgeber einer witzigen Wochenschrift, an das Collegium Carolinum sowie Gotthold Ephraim Lessing an die Bibliotheca Augusta wurde das Fürstentum Braunschweig – Wolfenbüttel in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts für kurze Zeit zu einem intellektuellen Zentrum der Aufklärung in Deutschland. Nach seiner Auflösung im Jahre 1808 und der Umwandlung in eine Militärakademie wurde das Collegium 1814 wieder eröffnet. Nach einer immer stärkeren Zunahme der naturwissenschaftlich-technischen Fächer wurde das Collegium 1878 in Herzogliche Technische Hochschule Carolo-Wilhelmina umbenannt, und erhielt schließlich 1968 den aktuellen Namen Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig.

Adolf Nickol 1843 (Städt. M. B.)

 1842: Erst 18 Jahre alt, beschickte Adolf Nickol erstmalig die Ausstellung des Braunschweiger Kunstvereins mit zwei Viehstücken.

Auch die Familie wurde schon früh mit seinen Arbeiten in Form von Porträts der Verwandten erfreut.

Das entzückende kleine Portrait, das Onkel Adolph mit 18 Jahren (1842) von seinem Vater in Öl gemalt hat, war schon eine reife Leistung und von einer überzeugenden Charakteristik. Seine besondere Vorliebe galt aber den Tieren, (hauptsächlich Rindern und Schafen), die man auf seinen zahlreichen Landschaften sah.

Anfangs suchte er seine Motive in der Umgebung seiner engeren Heimat, dehnte dann seine Malerfahrten bis zum Harz aus.

1844: Schliestedt bei Aschersleben

1845: Blankenburg, Heimburg/Harz, Teufelsmauer.

 Weitere Ausbildung in München

Darauf folgte Mitte der 1840-er der Studienaufenthalt in München. Die Nähe zu den Alpen nutzte Nickol und betrieb Naturstudien in Tirol und in Bayern. Sein Freund Emil Schulz war 1844–48 als Lithograph auch in München tätig, welches durch die Förderung von König Ludwig I. von Bayern (Regierungszeit 1825–48) zu einem Kunstzentrum geworden war. Sein enger Studienkollege F.W. Pfeiffer vom Carolinum ist zur gleichen Zeit ebenfalls in München. Offenbar hatten die drei ihren Münchener Aufenthalt zusammen geplant. Etwa ab 1845 trafen die drei in München zusammen.

Die drei Freunde waren an der Kunstakademie München nie eingeschrieben. Diese Tatsache gibt noch etwas Rätsel auf.

Von München aus unternahm(en) er(sie) Reisen in das Inntal bis hinauf nach Brixlegg, aber auch an den Chiemsee sowie Traunsee und in das Berchtesgadener Land mit dem nahen Salzburg, wovon viele erhaltene Ölstudien zeugen.

1846: Salzburg, Berchtesgaden, Königssee, Traunsee

 1846: Adolf Nickol u. F.W. Pfeiffer werden Mitglieder im 1836 gegründeten Kunstclub Braunschweig

 1847: Ramsau - Hintersee, Berchtesgaden und Prien am Chiemsee

Malen am Chiemsee

 Die ersten Maler entdeckten schon um 1800 die romantische Landschaft um den Chiemsee. Die Voralpenlandschaft übte einen starken Reiz besonderes auf die Münchener Landschaftsmaler aus. Auf der Insel Frauenchiemsee fanden die Maler im Gasthof „Zur Linde“ ein Sommerquartier in fast unberührter Natur. Außer einigen Fischern und dem 1838 wieder eröffneten Kloster gab es keine Ansiedlungen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Künstlerkolonie europaweit bekannt.

Während seines Aufenthaltes in München weilte auch Adolf Nickol am Chiemsee und fertigte dort 1847 einige sehr schöne Landschaftsstudien an.

 1848: Tod der Mutter Johanna Magdalena Luise geb. Niemeier am 16.8. in Schöppenstedt.

1848/49 Revolutionsjahre

 Die Revolutionen von 1848/49 waren von Paris ausgehende bürgerliche Aufstände mit Schwerpunkt in Berlin, die sich gegen die herrschende Klasse richteten. In Braunschweig blieb bis es bis auf einige Ausschreitungen relativ ruhig. Hänselmann berichtet von politischer Aufgeregtheit in den Gemütern der Mitglieder des Kunstclubs, aber auch der Wachdienst trug dazu bei, welcher die Versammlung mancher Mitglieder in ihrem Vereinslokal verhinderte.

Die Ständekammer hatte jedoch beschlossen junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren militärisch auszubilden, um sie im Kriegsfalle als Linientruppen ins Feld schicken zu können. So fanden sich Nickol und Pfeiffer nach dem Märzaufstand täglich abends bei mehrstündigen Exerzierübungen wieder, die sich über Wochen erstreckten; danach nur noch zweimal wöchentlich. Nachdem sich die politische Lage im Herzogtum beruhigt hatte, planten beide für den Herbst und Winter 1849 eine Reise zu den alten flämischen Meistern.

 1849: Oberbayern ? Frühling und Sommer noch keine Infos

1849: Studienreise nach den Niederlanden, Belgien und Frankreich-Besuch bei den alten Meistern

 Im Herbst und im Winter unternahm er eine längere Studienreise zusammen mit dem aus der Nachbarstadt Wolfenbüttel stammenden Studienfreund Friedrich Wilhelm Pfeiffer über Köln nach Antwerpen, Paris, Versailles, Brüssel, Rotterdam, Den Haag, Amsterdam, Harlem und Leiden. In Paris und Antwerpen folgten mehrwöchige Studienaufenthalte.

Dank eines erhaltenen Briefes von F.W. Pfeiffer an Emil Schulz vom 7.11.1849 kennen wir heute Einzelheiten dieser Reise.

(Briefe F.W. Pfeiffer an Emil Schulz, Niedersächsisches Staatsarchiv Wolfenbüttel)

Der Besuch der Niederlande, Belgien und Frankreich waren für die angehenden Künstler ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu ihrer Ausbildung als anerkannte Maler.

Die Reise in die fremdsprachlichen Nachbarländer nahm ihren Anfang in Köln. Nachdem sie sich abends von ihrem Freund Emil Schulz, der sich in Düsseldorf weiter ausbildete, trennten, fuhren beide noch in der Nacht auf der Bahn über Aachen - Lüttich - Mechelen und kamen morgens in Antwerpen an. Hier besuchten sie die gerade statt findende Gemäldeausstellung. Sie machten sich mit der alten Hafenstadt an der Schelde vertraut und erkundeten, dass die Lebenshaltungskosten für sie durchaus erschwinglich waren.

Nach ein paar Tagen, wiederum in der Nacht, unternahmen sie auf der erst seit 1847 bestehenden Bahnverbindung dann die Reise über Gent und Amiens nach Paris. Dort hatten sie offenbar einen Studienfreund, welchen sie frühmorgens in seinem Zimmer überraschten, als dieser noch im tiefen Schlaf lag.

Bei Fritze (Der Münzgraveur Fritze 1838 Kunstclub o. Friedrich Brettschneider, beide Braunschweig?) blieben sie ganze vier Wochen, der als Cicerone unentbehrlich wurde. Sie wussten die Zeit zu nutzen und besuchten die Museen und auch die Sehenswürdigkeiten der Stadt wie Versailles. Dieses Überangebot an Kunst und Sehenswürdigkeiten, welche Paris schon damals bot, bewirkte eine gewisse Sättigung und Ermüdung der beiden jungen Künstler.

In der letzten Woche stießen noch die deutschen Studenten August Noack und Richard Freytag, die sie bereits aus Antwerpen kannten, dazu. Man kann sich ausmalen, dass sich die vier in der Fremde nicht nur der Kunst widmeten, sondern auch die sonstigen Reize, die Paris zu bieten hatte, ihr Interesse fand.

Pfeiffer und Nickol reisten dann aber alleine wieder über Brüssel nach Antwerpen zurück. Blieben ein paar Tage, segelten dann die Schelde abwärts und an der Küste entlang bis nach Rotterdam, von da nach dem nahen Den Haag, weiter nach Amsterdam, zurück nach Harlem und Leiden und wieder nach Den Haag.

Den Haag beherbergt seit 1822 ein international bekanntes Museum mit den alten flämischen und holländischen Meistern. Ihr Besuch galt dem dortigen Mauritshuis. In der Galerie versuchten sie durch das Kopieren der alten Meister in die Maltechnik jener Zeit ein zu dringen, wozu auch das bekannte Werk Rembrandts „Die Anatomie des Dr. Tulp“ diente. (StMB Inv. Nr.: 908)

Bis zu ihrer Heimreise vor Weihnachten blieben sie dann durchgehend in Antwerpen.

Die beiden waren von der Akademie Antwerpen, die Malklasse (Modellmalen) wurde von Prof. Dykmans (Von 1840-54) geleitet, so begeistert, dass sie ihren Freund Emil Schulz am 7.11.1849 brieflich animierten doch von Düsseldorf hierher zu wechseln. Emil Schulz war bisher als Lithograph ausgebildet und wandte sich im Jahre 1849 an der Düsseldorfer Malerschule unter Th. Hildebrandt der Ölmalerei zu.

Der Anregung Pfeiffers und Nickols ist Schulz nicht gefolgt; er konnte ja schlecht seine Ausbildung unterbrechen.

Auch die deutschen Studenten Noack und Freytag, die sie in Antwerpen getroffen hatten, machten bei Prof. Dykmans in kurzer Zeit so gute Fortschritte, dass dies bei Pfeiffer und Nickol höchste Bewunderung hervor rief.

Sie führten die raschen Fortschritte in der Maltechnik auf die Qualitäten von Prof. Dykmans zurück, der sich mit Lust und Liebe jedem einzelnen seiner Studenten widmete und je nach ihren vorhandenen Anlagen auf sie einging und unterwies. Sehr zum Vorteil auch der weniger talentierten Studenten.

Schon ihr Studienfreund Heinrich Ferdinand Hofmann aus Darmstadt, den sie aus München kannten, sah schon 1846 unter Prof. Dykmans sein Talent stark gefördert und hatte den Beiden die Akademie Antwerpen deshalb wärmstens empfohlen.

Adolf Nickol schloss in Antwerpen Freundschaft mit dem gleichaltrigen Belgier Alexandre Pierre Jacques Markelbach (Antwerpen 1824 –1906 Brüssel), welcher ihm seine Ölstudie „Sterbende Jungfrau“, datiert vom 18.7.1849 zur freundlichen Erinnerung überließ. Diese gelangte dann 1905 mit dem Nickolschen Nachlass an das Städt. Museum Braunschweig.(Inv. Nr.: 782)

Zu Weihnachten erfolgte dann die Rückkehr der beiden nach Braunschweig und Wolfenbüttel. Auch Emil Schulz traf zu Weihnachten wieder in Wolfenbüttel ein, wo es zu einem Wiedersehen und erneuten Erfahrungsaustausch kam.

 Anmerkung:

Der Biographie des Hanauer Malers Friedrich Karl Hausmann,(den A.Nickol 1854 in Tivoli treffen wird)  der bereits 1848 bei Prof. Dyckmans war, ist zu entnehmen:

Am 2. September 1848 trat er mit Cornicelius die Reise an, und beide fanden Aufnahme in der Antwerpener Kunstakademie. Die Unterrichtsmethode von Direktor Wappers und Professor Dyckmans sagte ihnen jedoch wenig zu, so dass sie sich bald selbständig machten.

 1850: Tod des 4. Bruders Gustav Adolph Eduard am 26.06. in Helmstedt mit nur 41 Jahren an Lungenentzündung. Im August Choleraepidemie in Braunschweig. Reise am 14.07. -15.09. über München nach Bozen und Meran

1850: Garmisch

1851: Niederlassung als frei schaffender Künstler in Braunschweig

1951: Partenkirchen, Mittenwald, Lofer, Salzburg

1852: Ostharz, Blankenburg –Teufelsmauer

 Malen an der Teufelsmauer zwischen Blankenburg und Ballenstedt

 Dieses mehr als 25 km lange Felsband erstreckt sich mit Unterbrechungen am Rande des Ostharzes. Seine schroffen Klippen und Felsformationen zogen schon Heinrich Brandes vom Carolinum in seinen Bann. Viele seiner Schüler folgten ihm. Auch Adolf Nickol konnte sich dem Reitz der beeindruckenden Felsentürme nicht entziehen. Davon zeugen viele Ölstudien aus den Jahren 1845 und 1852. Sehr eindrucksvoll wurden diese Eindrücke in seinem Großbild: Landschaft an der Teufelsmauer verarbeitet.(STMB) Seine vielen Landschaftsstudien bilden ein Zeitfenster, da die Verwitterung der Felsen unaufhaltsam fortschreitet.

 Die Große Italienfahrt von Jan.1853 bis Nov. 1854

 1853/54: 1. Italienreise vom Jan. 1853 – Okt. 1854 über Gardasee, Florenz nach Rom und die Campagna, Tivoli, Subiaco, Civitella (heute Bellegra), Olevano Romano, Ariccia, Golf von Neapel, Sorrento.

Im Jahr darauf, 1853, reiste Adolf Nickol, wieder begleitet von seinem Malerfreund F. W. Pfeiffer, in die Welt südlich der Alpen, nach Latium, Italien.

Zusammen mit einem aus Wolfenbüttel stammenden Freunde, Friedrich Wilhelm Pfeiffer (*15.02.1822 – †28.11.1891 München), einem Maler, mit dem er dann auch auf seine erste Italienreise, noch zur Postkutschenzeit, unternahm. Motive aus der Umgegend von Rom waren in seinem Büchlein verzeichnet. Es war die Zeit, wo jeder Maler noch nach Italien pilgerte, um sozusagen die letzte Kunstweihe zu erhalten.

 

Die politische Lage im Kirchenstaat

 Die Reisezeit nach Italien war von Adolf Nickol und mit ihm von vielen seiner Künstlerkollegen in den Jahren 1853/54 günstig gewählt worden. Das Hauptziel war natürlich das antike Rom.

Am Schwarzen Meer tobte gerade der Krimkrieg, aber dieser Kriegsschauplatz was weit entfernt.

Italien, wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht. Das Land war auf dem Weg zur Einigung. Im Kirchenstaat, der damals die Stadt Rom mit der Region Latium umfasste, herrschte wieder Ruhe. Der Papst, der wegen die Unruhen der Februarrevolution 1848 Rom verlassen hatte, war wieder zurück gekehrt. Die 1849 ausgerufene Römische Republik wurde noch im selben Jahr wieder beseitigt und der Kirchenstaat durch die militärische Intervention Frankreichs und Spaniens wieder hergestellt. Rom wurde durch französische Schutztruppen militärisch abgesichert. Diese Situation blieb bis 1859 stabil. Erst 1860 schloss sich der Rest des Kirchenstaates dem neuen Königreich Italien an. Garibaldi mit den italienischen Nationalisten erschien 1867 vor Rom, konnte aber die Stadt nicht nehmen. Dies gelang dem italienischen Militär erst 1870 fast kampflos als Frankreich seine Schutztruppen überraschend abzog. Diese wurden im Krieg gegen Preußen gebraucht.

Adolf Nickol unternahm in den folgenden Jahren, nach Einweihung der Brenner-Eisenbahn 1867, noch weitere Italienreisen (1876, 1877, 1883, 1885). Diese führten ihn jedoch nicht mehr so weit nach Süden. Bevor das Reisen durch die Einführung der Dampfmaschine revolutioniert wurde, waren Pferdekutschen das bevorzugte Beförderungsmittel in den Süden. In Italien angekommen reiste man gerne mit Lohnkutschern, sogenannten Vetturino, durch das Land und war somit beweglich.

Besuch bei den Deutschrömern

 Seit der Renaissance übte die ewige Stadt als Hort antiker Kunstschätze und Quelle neuer Entwicklungen seine Anziehungskraft auch auf deutsche Künstler aus, die man die Deutschrömer nannte, wenn sie Rom zu ihrem Wohnsitz machten. Die Maler unter ihnen trugen dazu bei, dass die Landschaftsmalerei gegenüber der Historienmalerei wieder mehr an Bedeutung gewann.

Albrecht Dürer war der erste deutsche Künstler, der 1494 nach Italien zog. Später kamen – als bedeutendste Vertreter – Hans Rottenhammer und Adam Elsheimer. Die Zeit der eigentlichen Deutschrömer beginnt aber mit Anton Raphael Mengs in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Es folgten Jacob Philipp Hackert, Johann Wolfgang von Goethe, (wer kennt nicht das Gemälde von Tischbein, welches den Dichterfürst vor den Ruinen der Campagna darstellt) Johann Christian Reinhart.

Geistiges Zentrum dieser Künstlergruppe war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Maler und Zeichner Joseph Anton Koch.

Zwischen 1800 und 1830 lebten allein in Rom mehr als fünfhundert deutsche Maler, Bildhauer und Architekten.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unternahm man Kunst-Reisen dem ästhetischen Genuss zu Liebe; im 19. Jahrhundert wurden daraus idealistische Bildungsreisen (auf Goethes Spuren), romantische Reisen aus Kunst- und Naturschwärmerei.

Es ist nicht überliefert, in wie weit Adolf Nickol mit den dort lebenden Deutschrömern Kontakt hatte, aber zu Begegnungen wird es bei der Länge seines Aufenthaltes gekommen sein.

Belegt sind:

Während seines Aufenthaltes in Tivoli im August 1854 traf Adolf Nickol den bekannten und fast gleich alten Hanauer Maler Friedrich Karl Hausmann in der Villa D `Este und porträtierte ihn in sein Skizzenbuch. (StMB)

Im Fremdenbuch der Casa Baldi in Olevano fand man dagegen ein Bildnis von Adolf Nickol, gezeichnet von Karl Hausmann im September 1854. (Das Fremdenbuch ging im II W.K. verloren).

Beide waren auch im ebenen Teil der Campagna unterwegs und wurden Zeugen einer Walfahrt. Dieses besondere Erlebnis fand Ausdruck in eindrucksvollen Gemälden, zu denen beide inspiriert wurden und jeder der Künstler auf seine Art interpretierte.

Mit dem Mailänder Maler Johann Varrone (Goivanni Varoni) verband ihn Freundschaft und man machte sich auch kleine Geschenke in Form von eigenem Kunstschaffen. Im Herzog Anton Ulrich Museum in Braunschweig, welches ebenfalls einen Teil Nachlass des Künstlers aufbewahrt, befindet sich ein Aquarell von Johann Varrone, welches er seinem Freund Nickol zur Erinnerung an die gemeinsame Zeit in Rom schenkte.

 Er besuchte und malte an all den bei den Malern bekannten und beliebten Orten wie Rom, Tivoli, Civitella (heute Bellegra), Olevano Romano, Subiaco, Ariccia, Nemisee, Neapel, Capri, Pompeji, Sorrent. Dies ist durch die vielen erhaltenen Ölstudien und Skizzenbüchern aus der Zeit von 1853/54 belegt. Er bewegte sich sozusagen auf ausgetretenen Pfaden seiner vielen Vorgänger. Es war nicht leicht für die Neuankömmlinge dann die Motive so zu wählen, um sich nicht später dem Vorwurf des bloßen Kopierens auszusetzen.

Die bei den Malern beliebten Orte waren in Künstlerkreisen allgemein bekannt und wurden an die nachfolgenden Malergenerationen weiter gegeben. Meist kannte man sie schon durch Druckgraphiken und an Hand der Gemälde, die z.B. sein Lehrer Heinrich Brandes schuf und den Studenten der Künste in Braunschweig als Studienobjekte dienen konnten. Es gehörte bei einem Italienaufenthalt einfach zum Pflichtprogramm, diese bekannten Orte auf zu suchen.

Diese Ausflüge in die weitere Umgebung Roms mussten allesamt mit Reittieren oder Pferdegespannen unternommen werden und dürften aus heutiger Sicht unbequem und zeitaufwändig gewesen sein. Aber diese Exkursionen konnten sich nur die wohlhabenden Künstler erlauben. Es ist überliefert, dass so mancher Maler auf Schusters Rappen unterwegs war, ein in damaliger Zeit auch riskantes Unternehmen.

Man brauchte nur von Rom aus, welches damals noch nicht die Ausdehnung von heute hatte, den alten Römerstrassen wie etwa der südlich führenden Via Appia folgen und stieß dabei am Wege auf die zerfallenen Bauten der Römer, wie die Aquädukte des Claudio, der Torre di Schiavi (Turm der Sklaven) oder die Ruine des Grabes der Cecilia Metella die unübersehbar in der sonst recht kargen Landschaft der Campagna standen, die außer in der ganz heißen Jahreszeit von Viehherden bevölkert und den wild aussehenden nomadisierenden Hirten oft als Unterkunft dienten.

Rom, die Stadt am Tiber 1853/54

In Rom und Umgebung hielten sich die beiden Reisenden, wie sich aus den Datierungen der vorhandenen römischen Skizzen gut rekonstruieren lässt, recht lange auf. Hier suchten sie die bekannten antiken Stätten und Plätze auf. Jedoch bot das Forum Romanum den damaligen Besucher nicht das gewöhnte heutige Bild; die Ausgrabungen waren noch nicht weit fortgeschritten oder hatten erst begonnen. Die römischen Ruinen hatten über Jahrhunderte als Quelle für Baumaterial gedient; über den Schutt- und Abfallbergen vieler Perioden wuchs gnädig eine Pflanzendecke.

            Rom Porta Pia                                      05.02.1854

            Tal der Egeria                                      26.02.1854

            Rom Villa Borghese                          11.03.1854

            Rom Forum Romanum                    11.03.1854                  3134 HAUM

           Monte Mario                                      12.03.1854

           Piazza Barberini                                  12.03.1854                  3134 HAUM

            Rom Villa Ludovisi                           16.03.1854

            Rom Villa Albani                              17.03.1854

            Rom                                               03.04.1854

            Rom, Porto d`Anzio                          07.05.1854

            Rom, Via Appia Nuova                       09.05.1854

            Rom, Castello Giubileo                       10.05.1854

            Rom, Fidene                                     10.05.1854

            Rom, Lunghezza                                15.05.1854

            Rom, Lunghezza                                16.05.1854

            Rom, Torre di Schiave                        17.05.1854

            Rom, Castello Giubileo                       19.05.1854

Tivoli 1854

Rom war das erklärte Ziel aller Italienreisenden, aber die jenseits der Campagna aufragenden Sabinerberge wirkten unwiderstehlich auf die Fremden. Bei guter Sicht erkannte man Tivoli in der Ferne am Bergkamm.

Die östlich von Rom liegende Stadt der Latiner kam schon früh unter römische Kontrolle. Hadrian errichtete außerhalb der Stadt eine weitläufige Palastanlage, die Villa Adriana. Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute Pirro Ligorio, ein Maler und Architekt, für Kardinal Ippolito d`Este die wegen der Wasserspiele in ihrem Renaissance-Garten berühmte Villa d`Este an einem Abhang am Rande der Stadt.

Im Jahre 1854 war der gesamte Komplex seit drei Jahren in Obhut des Habsburgers Gustav von Hohenlohe gekommen, welcher den Zustand des Brachliegens und Ausraubens erst mal beendete und erste Restaurierungen anordnete.

Die romantische Lage der Stadt mit den großartigen Wasserfällen des Aniene, ein Nebenfluss des Tiber, besser bekannt als Anio und den antiken Ruinen hat die Künstler magisch angezogen. Auch Adolf Nickol konnte sich dem nicht entziehen. Davon zeugen seine zahlreichen Ölstudien, die im Februar und Juli/Aug. 1854 entstanden. Die Ölstudie vom Brunnen „Rometta“ zeigt sehr gut dessen damaligen Erhaltungszustand.

Die für Nordeuropäer fremdartigen schlanken 300-jährigen Zypressen der Villa d`Este, von denen bis in die Gegenwart noch zwei überlebt haben oder die Olivenbäume und die Agaven an den Berghängen mit ihrer typischen Grünfärbung, schroffe Felsgruppen oder der südliche Himmel wurden mit Hingabe gemalt.

Civitella (Seit 1880 Bellegra)

 Weiter östlich in den Bergen liegt die durch die Maler Koch und Kanoldt seit 1803 neben Olevano bekannt gewordene alte Stadt Civitella auf einer Bergkuppe 2,5 km vor Olevano.

Wie die Waben eines Bienenstockes sind die Häuser von Civitella ineinander verschachtelt, welche auf einer Bergspitze liegend weithin sichtbar die umliegenden Hügel überragen, ein Beispiel typischer italienischer Kulturlandschaft. Auch hier fertigte Adolf Nickol Landschaftsstudien an, die er dann in seinem großformatigen Italienzyklus verarbeitete. Der Weg in die Sabiner Berge war beschwerlich und nicht ungefährlich, wurde aber in Kauf genommen. Die weniger betuchten Maler wurden von den Banditen eher als Beute verschmäht. Man reiste besser nicht alleine. Asphaltierte Strassen gab es zu jener Zeit noch nicht, die Wege waren holprig und steinig.

Olevano und die Casa Baldi

 

Der Ort Olevano Romano (Olevano Romano liegt auf einem Bergrücken der Monti Prenestini in der Provinz Latium) war im gesamten 19. Jahrhundert das Ziel zahlreicher Maler aus dem Norden. Der deutsche Landschaftsmaler Koch machte Olevano durch seine Zeichnungen bekannt. Viele Maler ließen sich hier auch dauerhaft nieder. Vor allem im Sommer, wenn in Rom die Hitze unerträglich wurde, suchen viele Maler Abkühlung in den Bergen.

Die Casa Baldi wurde vom ländlichen Gasthaus zur Herberge der deutschen Maler. Nickol verbrachte hier mit Pfeiffer? und Hausmann mehrere Tage. Der nahe Olevano gelegene Eichenwald Serpentara (Schlangenhain) war den Deutschrömern ein besonders schützenswerter Eichenwald. Die im felsigem Gelände wachsenden immergrünen knorrigen Steineichen waren das bevorzugte Modell für Waldstudien der Romantiker.

 

Die geplante Abholzung durch den Eigentümer im Jahre 1873, auch solche Aktionen gab es damals schon, konnte durch eine gemeinsame Anstrengung von Kunstfreunden und Malern verhindert werden, indem der Wald zugunsten des Deutschen Reichs und des Deutschen Kaisers angekauft wurde. Ein Viertel der Kosten wurde durch den Maler Carl Schuch übernommen. Aber dass es zu dieser Aktion kommen sollte konnte man 1854 nicht ahnen.

Heute unterhält die Akademie der Künste Berlin für ihre Stipendiaten in unmittelbarer Nachbarschaft zur Casa Baldi die Villa Serpentara.

Auch Adolf Nickol hat die Landschaft um Olevano und die alten Eichen in ihren Bann gezogen; dies beweisen einige seiner schönsten Landschaftsstudien. Ein Großbild aus dem Italienzyklus zeigt Civitella vor dem Hintergrund des Doppelberges Monti Ruffi (Mammellen) aus Richtung Olevano gesehen.

 Subiaco

 Subiaco liegt ebenfalls im Tal des Aniene. Auch hier haben die Römer einst gebaut. Mehrere Staumauern sperrten einst das Tal. Das Wasser wurde vorwiegend durch Tunnel in das 70 km entfernte Rom geleitet. Nero hatte dort ein weitläufige Villa. Von all dem findet man heute nur noch wenige Reste.

Seine Bedeutung erlangte der Ort erst in christlicher Zeit durch den Heiligen Benedikt, der Gründer des nach ihm benannten Ordens. Ihn zogen die einsamen Felshöhlen zur Meditation an, wo er Gleichgesinnte fand. Später verstanden es diese Mönche, die christliche Welt an Rom zu binden, und Subiaco wurde zur Wiege des Mönchtums im Abendland mit seinen in der Blütezeit bis zu 12 Klöstern.

Den Malern bot das teilweise schmale wilde Tal mit seinen von Kastanien- und Olivenbäumen bewachsenen Hängen, den Hügeln der Umgebung, die oft römische Castelle trugen, und nicht zuletzt den mächtigen Abteien, die schönsten Motive für die Landschaftsmalerei. Adolf Nickol hielt sich mehrmals dort auf, bezeugt durch viele interessante Ölstudien.

Ariccia

 Eine der ältesten Städte Latiums in den Albaner Bergen, liegt an der Via Appia und war die erste Station auf dem weiten Weg nach Brindisi. In der Nähe Ariccias lag der heilige Hain von Nemi mit einem Tempel der aricinischen Diana. Der Nemisee, ein Kratersee und kleiner als der benachbarte Albaner See, zog schon die wohlhabenden Römer an, die hier ihre Sommervillen errichteten. Der Ort Genzano liegt malerisch am Kraterrand und ist auf einer mystischen Landschaft zu sehen, die Adolf Nickol in einer Ölstudie an einem grauen Septembertag 1853 festhielt. Auch die stolzen Latinerinnen aus Ariccia und Albano in ihren Trachten wurden porträtiert. Aber auch die reizvolle Landschaft mit 

den darin weidenden Ziegen fanden Gefallen. In der Umgebung gab es romantisch anmutende Motive von alten Römerbrunnen, Tempeln und Gemäuern eingebettet in südliche Vegetation.

 Resümee

 Der Besuch dieser geschichtsträchtigen Orte, die in die Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts eingingen, löste, ohne dass man es bewusst herbei führen musste, das „Italiengefühl“ aus. Es ersetzte mehr als ein Semester akademisches Malen. Die Skizzenbücher und Ölstudien allein reichen nicht aus, sie bilden nur die Stütze, sondern die Vorstellungskraft ist maßgeblich beim Schaffensakt beteiligt, die zur Hingabe führt und es fließen lässt. Das Ergebnis sind dann Kunstwerke.

Etwa um 1870 entstanden in Adolf Nickols Atelier 4 seiner schönsten Italienbilder im Großformat, die im Ballsaal des Braunschweiger Residenzschlosses einen würdigen Rahmen fanden. Leider gingen diese eindrucksvollen Wandbilder im II. Weltkrieg verloren. Es existieren jedoch noch kleinformatigere Vorstudien, die eine Vorstellung von ihnen vermitteln. Diese Vorstudien waren ein Geschenk des Künstlers an Friedrich Wilhelm Wolf (Bildhauer aus Berlin ?), wurden von Edelgard Wolf, Göttingen, angekauft und sind heute im Besitz des Städtischen Museums Braunschweig.(STMB)

 

18561904: Adolf Nickol unterrichtet die Zeichenklasse am Collegium Carolinum.

1859:Brannenburg,Flintsbach, Mühlgraben, Fischbach im bayerischen Inntal

1860: Ramsau, Berchtesgaden

1862, 1863: Brannenburg im Inntal

1862 Umgestaltung und Erweiterung des Herzogl. Collegium Carolinum am 29.10.1862 in Polytechnikum Schule für allg. bildendende Wissenschaften u. Künste und andere Fachrichtungen.

Sammlungen für Wissenschaft u. Künste: Modellsammlungen für zeichnende Künste Prof. Howaldt u. Prof. Nickol

 1864: Brixlegg, Rattenberg im österreichischen Inntal

 Malen im Inntal

 Das malerisch im Inntal gelegene kleine Dorf Brannenburg zog schon früh Maler an. Um 1822 besuchte der bekannte Landschaftsmaler Karl Rottmann die Gegend um den Wendelstein. In den 50-er Jahren folgten weitere namhafte Künstler. Der Kreis der Besucher erweiterte sich entsprechend seines Bekanntheitsgrades auch um die Münchener Kunstschaffenden. Das Zentrum und die Unterkunft war der Nigglsche Gasthof neben der Kirche in Brannenburg. Adolf Nickol hielt sich jeweils im Juli und August in den Jahren 1859 und 1862/63 länger in Brannenburg und im benachbarten Flintsbach und Mühlgraben auf. Motive für seine Studien bildeten die umliegenden naturbelassenen Berghänge, zu Tal stürzende Wildwasser und der alpine Pflanzenwuchs. Auch im oberen Inntal, in Brixlegg und Rattenberg, hatte Adolf Nickol seine Staffelei aufgestellt, welches damals noch nicht durch starke Bebauung, Autobahnen oder den eingedeichten Inn entstellt war. Fasziniert haben ihn auch die damals noch ungezähmten Traunwasserfälle bei Gmunden.

 1865, 1866, 1867, 1869, 1870, 1871, 1873, 1876, Nov. 1880: Ramsau.

Zu 1865: Ramsau, Einquartierung im Gasthof „Zum Oberen Wirt“, heute „Oberwirt“ am 4.8.1865 (nachweisbar).

 Ramsau und Umbebung

 Seine Liebe galt Ramsau und dem Hintersee, wo er nachweislich 9 mal weilte. Er dehnte seine Malerfahrten auch in die weitere Umgebung aus, die nach Berchtesgaden, Salzburg oder an den Königssee führten. Die grandiosen Berge in dieser Region, wie der Watzmann oder der Hohe Göll bilden oft die Anziehungspunkte auf seinen Bildern.

In den Jahren von 1863–1868 hielten sich, wobei das Jahr 1867 nicht dokumentiert ist, an die 76 Maler in Ramsau und am Hintersee auf. Der Nachweis ist möglich, da die Gemeinde Aufenthaltskarten ausstellte. Ramsau hat dieser Invasion 2007 mit Herausgabe eines sehr liebevoll gestalteten Buches mit dem Titel: „Ramsau und Hintersee in der Malerei des 19. Jahrhunderts“ gedacht.

Aus der Zeit, da er noch in der Ramsau malte, erzählte er uns einmal eine für ihn sehr bezeichnende Episode.

Er hatte seine Staffelei aufgebaut und wurde dabei von den Dorfjungen belagert, die die Malerei natürlich brennend interessierte und die sich nun um ihn herum im Gras niedergelegt hatten. Am anderen Tag steckte er gebrauchte Tuben in das Gras, in denen sich noch Farbreste befanden, die dann in den Hemden und Hosen der Jungen die schönsten Flecken hinterließen. Seine Erwartung, dass er nun die lästigen Beobachter los sein würde, bestätigte sich, während er sich ausmalte, wie ihnen wohl zu Hause die Hosen stramm gezogen würden.

Ein paar Mal trafen wir mit ihm auch in den großen Ferien zusammen. So 1880 in der Ramsau, wo er im „Oberen Gasthof“ wohnte, während wir in dem von ihm empfohlenen Wirtshaus „Zur Wimbachklamm“ gut untergebracht waren.

 1866: Meran, Etschtal

 1867: Reise nach Bayern, Reichenhall, Ramsau

 1868: Adolf Nickol wird als Nachfolger von Georg Heinrich Brandes ans Collegium Carolinum berufen.

Nachdem Onkel Adolph Nachfolger von Prof. Brandes am Polytechnikum geworden war, und er sich als Künstler einen Ruf erworben hatte, lebte er von seinem Gehalt und legte die Erlöse seiner Malerei auf die hohe Kante. Er konnte sich sein Leben nun ganz nach seinem Geschmack und ohne Sorgen einrichten, zumal er Junggeselle blieb und daher weiter keine Bindungen als die seines Amtes kannte. Anfangs schickte er Bilder auch auf Ausstellungen; später hatte er dies nicht nötig, da Kunstfreunde und Kunsthändler seine Bilder schon von der Staffelei weg kauften.

Ein großes Landschaftsbild von ihm sah ich im Braunschweiger Museum.

In späterer Zeit versuchte er sich auch in der Aquarellmalerei (Pastell) auf eigene Faust. Alle diese, gewiss interessanten Blätter und viele Zeichnungen vermachte er dem Polytechnikum.

Heinrich Brandes (1803-1868) war seit 1835 Professor am Collegium Carolinum. Er erlangte als einer der wenigen Braunschweiger Maler überregionale Bedeutung. Fast alle Braunschweiger Maler der zweiten Jahrhunderthälfte lernten bei ihm.

Adolf Nickol war einer seiner ersten Schüler. Des weiteren August Niedmann, Ludwig Tacke, Ludwig Nieper, Bernhard Plockhorst, Carl Heel, Friedrich Wilhelm Pfeiffer.

 1870: Bayern, Ramsau, Deutsch-Franz. Krieg: Am 19.7.70 Kriegerklärung durch F.

1871: Kriegs- Ende am 10.5.71, Friedensvertrag in FFM

1872: ?

1873: Gmunden und Gossausee

1873: Professor am Polytechnikum

1867, 1874, 1875, 1876, 1877/78, 1979/80, 1882, 1883/84, 1886, 1887: Malen in Landro, zwischen Toblach/Dobbiaco und Cortina, mit den landschaftlichen Besonderheiten wie Drei Zinnen, Dürrensee, Plätzwiese, Rienztal, Toblacher See, Cristallo Massiv, Misurinasee.

 Landro

Neben Ramsau gehörte Landro im Höhlensteintal zu den bevorzugten Zielen von Adolf Nickol in den Jahren 1867 – 1887. Landro liegt an einer alten Poststrasse zwischen Toblach/Dopiachio und Cortina Ampezzo mit Sicht auf die Drei Zinnen. Sowohl in Ramsau als auch in Landro traf er in den Sommerferien oft mit der Familie von Johannes Nickol und Freunden zusammen, mit denen er engen Kontakt pflegte. Bei seinen späteren Aufenthalten verlegte er sich auf die Anfertigung von unzähligen Pastellen, die heute im Herzog Anton Ulrich Museum aufbewahrt werden. Von Landro aus unternahm Adolf Nickol weitere Reisen nach Italien.

 

1876: Ramsau, Clausen (Klausen- Chiusa), Bozen, Gardasee- Torbole

1877: Torbole- Gardasee

1880: Bozen, Landro

1881: Salzburg, Clausen, Rom

1883: Bozen, Verona, Battaglia- Venetien,

1891: Tod seines Malerfreundes F. W. Pfeiffer am 28.11. in München.

1892 oder 1893: Malen in Brunnen am Vierwaldstädter See

 

1896: Noch einmal Landro.

Auf meinen Alpenwanderungen besuchte ich (damals 27 Jahre alt) ihn etwa 1896 in Landro (bei Toblach), wo er am häufigsten sein Sommerquartier bei „Baurs“ hatte. Ich hatte eben eine Dolomitenwanderung hinter mir, und kam gerade an, als das Mittagsessen vorüber war, und fand meinen Großonkel auf der Treppe zum Speisesaal lebhaft sprechend, während Gräfin Wrisberg mit Gefolge Halt gemacht hatte, um ihm zu zuhören. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich ihn begrüßen konnte. Gräfin Wrisberg von bürgerlicher Abkunft, war seine Schülerin gewesen und blieb ihm freundschaftlich verbunden.

Um diese Zeit malte er nicht mehr, sondern genoss seine Muße und die herrliche Natur.

Landro-Höhlensteintal-Dürrensee

Dem grenzenlosen Aufschwung, den der Tourismus in der 2.Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Dolomiten nahm, wurde man insofern gerecht, indem man 1871 die Pustertalbahnlinie eröffnete. In Landro zwischen Toblach und Cortina in Sichtweite der Drei Zinnen errichtete die Familie Josef Baur im Laufe der Jahre ein Hoteldorf mit 400 Betten, verteilt auf zehn Gebäude. Die Anfänge gingen auf eine Poststation mit Gastronomie und Brauhaus zurück. Dies alles endete abrupt mit Ausbruch des 1. Weltkrieges. Das Feriendorf der Baurs liegt direkt in der Schusslinie des Festungswerkes Landro und wird gesprengt, einen Tag vor Kriegsausbruch. Nur die kleine Hauskapelle der Familie Baur bleibt stehen. All dies musste Adolf Nickol, der hier so gern verweilte, zum Glück nicht mehr erleben. Adolf Nickol besuchte mehr als ein Dutzend mal Landro. Von dort aus unternahm er mehrere Reisen nach dem Süden, die ihn bis zum Gardasee und Venedig führten.

 1.1.1904: Geh. Hofrat Adolf Nickol, Professor für Freihandzeichnen über 4 Jahrzehnte, geht in den wohl verdienten Ruhestand

 Sein Atelier hatte er im Polytechnikum. Später, als sich zur Ruhe gesetzt hatte, hatte er sich ein Eckzimmer seiner Wohnung in der Fallersleber Torpromenade 8 als kleines Atelier eingerichtet, dort hat er selbst wenig gemalt. Meine Mutter hatte ihm dazu einen kleinen Perserteppich geschenkt.

Es standen dort auf Staffeleien noch ein paar kleine Bilder, (eines das spielende Zigeunerkinder zeigte, ist mir noch in Erinnerung), an die er gelegentlich noch Hand anlegte.)

22.05.1905: Todestag

 Er starb bald nach meiner Verheiratung, am 22.05.1905.

Seine Beerdigung war recht feierlich. Es hatten sich Mitglieder der Nickol´schen Familie aus Braunschweig und Schöppenstedt eingefunden. Mein Oheim August (Schöppenstedt *19.04.1837 – Göttingen 02.07.1922) aus Göttingen war der Testamentvollstrecker als ältestes Familienmitglied. Auf dem Friedhof fand sich ein zahlreiches Trauergefolge ein, Freunde und Bekannte. Der Rektor des Polytechnikums, der mit einem Teil der Dozentenschaft erschienen war, widmete ihm den Nachruf. Auch Korporationen waren in weiß angetreten, um ihrem langjährigen Lehrer die letzte Ehre zu erweisen.

Er ist auf dem Zentral-Friedhof, Abt. 45, Stein 225, beigesetzt.

 Aus der Ansprache des abtretenden Rektors Prof. Dr. R. Fricke am 2.11.1906:

„Am 22. Mai 1905 verschied der am 1. Januar 1904 in den wohlverdienten Ruhestand getretene Professor für Freihandzeichnen Geh. Hofrat Adolf Nickol, der mehr als vier Jahrzehnte lang seine Arbeitskraft mit aufopfernder Liebe und schönstem Erfolge in den Dienst der Hochschule gestellt hatte“.

 Ehrungen:

Auch an äußerer Anerkennung und an Ehren fehlte es ihm nicht. Er wurde Professor, später Geheimrat und erhielt den Orden 2. Klasse Heinrichs des Löwen.

Der Orden Heinrichs des Löwen, auch Hausorden Heinrichs des Löwen oder Herzoglich Braunschweigischer Orden Heinrichs des Löwen genannt, ist ein braunschweigischer Orden, der am 25. April 1834 von Herzog Wilhelm von Braunschweig, als Zivil- und Militärverdienstorden zur Erinnerung an Heinrich der Löwe, gestiftet wurde.

Ausstellungen:

An Ausstellungen des Braunschweiger Kunstvereins war Adolf Nickol in den Jahren 1842–1888 beteiligt:

1842 mit zwei Viehstücken

1844 mit 4 Werken

1846 mit 3 Werken

1849 mit 7 Werken

1851 mit 6 Werken

1852 mit 3 Werken

1854 mit 4 Werken

1856 mit 1 Werk

1858 mit 4 Werken

1860 mit 7 Werken

1878 mit 1 Werk

1880 mit 1 Werk

1882 mit 1 Werk

1888 mit 4 Werken

Die Titel der Werke sind in den Ausstellungskatalogen des Kunstvereins erfasst worden.

 Der Kunstverein Braunschweig, nicht zu verwechseln mit dem Kunstclub, gegründet im Jahr 1832, gehört heute zu den bedeutendsten Kunstvereinen der Region. Nach 1834 wurde die Ausstellung nur noch alle 2 Jahre veranstaltet. Braunschweig zählte 1832 bereits ca. 32.0000 Einwohner und da es am Collegium Carolinum eine ungenügende Ausbildungsstätte für angehende Maler gab, waren es interessierte Bürger, die den Kunstverein ins Leben riefen. Als Ziel wurde die „Beförderung der Kunst überhaupt, sowohl der Malerei und der zeichnenden Kunst, als auch der Kupferstecherei, Bildhauerei, Baukunst etc. benannt“. Man wollte zeitgenössische Künstler fördern und ihnen die Möglichkeit zur Ausstellung und Verkauf ihrer Werke bieten. Bereits im Gründungsjahr 1832 veranstaltete der Verein eine 1. Ausstellung im Hause des Verlegers Vieweg am Burgplatz mit 324 Bildern von 134 Künstlern. Für spätere Ausstellungen ab 1836 stand die Aegidien-Kirche zur Verfügung. Der Kunstverein hatte in den folgenden Jahren eine wechselhafte Entwicklung, da es den Braunschweiger Bürgern anfangs offenbar an Kunstverständnis fehlte.

1861 wurde das Städtische Museum gegründet. 1868 übereignete der Kunstverein seine aus 31 Werken bestehende Sammlung als Grundstock der Stadt, worunter sich auch ein Gemälde von Adolf Nickol befand.

 Adolf Nickol beschickte außerdem Ausstellungen des Bremer Kunstvereins in den Jahren:

1856, 1864, 1866, 1872

  Der Kunstverein in Bremen wurde als einer der ersten in Deutschland im Jahre 1823 gegründet und ist noch heute privater Träger der Kunsthalle Bremen.

  Adolf Nickol war außerdem ordentliches Mitglied im Kunst-Gewerbe Verein Braunschweig, welcher 1894 im 19. Jahre stand und derzeit 332 Mitglieder hatte.

Große Berliner Kunstausstellung

 Adolf Nickol besuchte zu Himmelfahrt regelmäßig die Große Berliner Kunstausstellung und logierte dann stets bei den Eltern von Johannes Nickol, die unweit des Lehrter Bahnhofs ihr Domizil hatten.

 Jedes Mal, solange er noch im Amte war, unterbrach er zu Himmelfahrt sein Kolleg von Mittwoch bis Sonnabend und kam nach Berlin, wo er bei uns logierte mit Ausnahme des Jahres, wo wir in Blumeshof 4 über kein Fremdenzimmer verfügten. Dann residierte er in dem kleinen Hotel der Frederichschen Weinstube in der Potsdamerstraße, nahe am Potsdamer Platz (dies war übrigens das Lokal, in dem Adolf Menzel, Maler und Zeitgenosse, (*8.12.1815 Breslau –9.2.1905) jeden Abend an einem gesonderten kleinen Tische sein Souper einnahm.)

An Himmelfahrt herum hatte meine Mutter Geburtstag (18. Mai), dazu brachte er stets frische Spargel und zwei Tütchen feine Praline´ von der Firma Witekopp mit. Sein Besuch galt dann besonders der großen Berliner Kunstausstellung am Lehrter Bahnhof, die er eingehend besichtigte, aber stets allein. Dies zum großen Bedauern meiner Mutter, die ihn zu gerne als Cicerone (Fremdenführer) gehabt hätte, aber ein solches Ansinnen wies er ein für allemal ab. Er wollte bei seinen Betrachtungen nicht gestört sein.

Früher hatten die Ausstellungen am Kantiansplatz stattgefunden auf der Museumsinsel, etwa dort, wo später das Kaiser Friedrich Museum erstand, und zwar in unzulänglichen Räumen. Man veranstaltete sie daher nach 1879 in den aus Mauerwerk, Eisen und Glas errichteten Räumen der Gewerbeausstellung in Nähe des Lehrter Bahnhofs in dem Dreieck, das von der Straße Alt – Moabit und der Invalidenstraße eingeschlossen wurde. (An der Invalidenstraße wurde dort später die Urania errichtet, eine öffentliche Sternwarte mit Vortragssaal, einer Ausstellung von physikalischen Apparaten zur Popularisierung der Naturwissenschaften).

Vom Eingang an Alt–Moabit stieg man eine breite Treppe hinunter zu dem Vorplatz, auf dem größere Plastiken Aufstellung fanden, und zu den Gebäuden, deren mittelstes von einer hohen Kuppel gekrönt wurde.

Hier war der Eintritt mit Garderobe, Kasse und Verkaufsstand von Katalogen und Fotografien, dahinter betrat man zunächst den Ehrensaal mit offiziellen und besonders beachtenswerten Gemälden.

Vor Eröffnung hatte die „Hängekommission“ ihr Werk getan. Sie wies zurück, was ihr nicht gut genug oder zu profan erschien, und hatte viel Mühe und Geschmack aufzubieten, um die vielen nach Inhalt, Format und Ort so verschiedenen Werke gefällig und günstig zu gruppieren. Nur Inhaber von Goldenen Medaillen waren juryfrei. Die allermeisten Arbeiten waren deutsch, das Ausland war meist spärlich vertreten. Es hatte sich ein sicherer Stil herausgebildet, bis gegen Ende des Jahrhunderts, angeregt durch die Pariser Maler, sich nach Neuem drängende Kräfte bemerkbar machten und ebenso wie in der Literatur zu Aufregung, zu heftigen Debatten und zu Spaltungen in Künstlerschaft und Publikum führten.

Von den vielen tausend Bildern, die ich im Laufe der Jahre zu sehen bekam, sind mir nur noch wenige in Erinnerung.

Einige hinterließen durch die Bewunderung, die sie erweckten, andere durch Besonderheiten länger währende Eindrücke.

Da die Münchner Maler vor allem die Ausstellungen im Glaspalast beschickten und die Süddeutschen und die Rheinländer zumeist ihre lokalen Ausstellungen berücksichtigten, überwogen die Berliner und Norddeutschen Maler.

Neben den berühmten, Menzel, Anton von Werner, Karl Becker, die vor allem die Historie pflegten, sah man Portraits von Lenbach, Gussons, Konrad Wilhelm Dielitz, u.s.w.

Genrebilder von Ludwig Knaus, von Meyerheim, Eduard von Grützner, der die Klosterbrüder

in Küche und Keller verständnisvoll als Genießer schilderte, Landschaften der mannigfaltigsten Art und auch einige Spezialisten, so hatte es Louis Douzette in Mondlandschaften zur Virtuosität gebracht. Albert Brendel (182–1895) hatte sich in Schafe verliebt, Carl Saltzmann malte prächtige Seebilder, Ismael Genz, (der später sein Grab neben meinem Vater auf dem Matthäikirchhof fand) suchte seine Motive im Orient.

Neben der älteren Generation trat dann die jüngere auf den Plan, Arthur Kampf, Fritz von Uhde, Wilhelm Trübner, Stanislaw von Kalkreuth, Bruno Piglhein, Ludwig von Hoffmann u.v.a.

 Schüler von Adolf Nickol am Collegium Carolinum:

 Arnold Kramer, 1863–1918 Braunschweiger Bildhauer, Till Eulenspiegel Denkmal 1905

Konstantin Uhde, 1836–1905, Architekt und Dozent am Collegium Carolinum 1865 - 1901

Rudolf Wilke, 1873–1908, Simplicissimus- Zeichner

Carl Heel, 1841–1911, Maler und Zeichenlehrer, Braunschweig

Otto Keitel, 1862–1902, Tiermaler

Hans Pahlmann, 1863–1907, Porträtmaler

Friedrich Meyer, 1842–1909, Kupferstecher

Gräfin Wrisberg

 Freunde von Adolf Nickol

 Zu den lebenslangen Freuden sind an erster Stelle Pfeiffer und Schulz zu nennen. Dies ist durch die vielen Briefe Pfeiffers an Schulz über Jahrzehnte eindeutig belegt. (Archiv Wolfenbüttel)

 Friedrich Wilhelm Pfeiffer, *15.1.1822 Wolfenbüttel – †28.11.1891 München.

Mit F. W. Pfeiffer war Adolf Nickol lebenslang befreundet; sie kannten sich vom Carolinum und waren Schüler bei Brandis. Das Lebenswerk Pfeiffers ist in einer Broschüre der Druckerei und Verlagsanstalt „Bayernland“: ISBN 3-89251-038-5 veröffentlicht, an der auch ein direkter Nachkomme, Frau Ingrid Rietscher, mitgewirkt hat.

 Emil Schulz, Lithograph und Zeichner, *1822 zu Wolfenbüttel, †1912, war 1837–1840 Schüler von Brandes in Braunschweig, arbeitete dann in Dresden für das Hanfstänglsche Galleriewerk und 1844-1848 als Lithograph in München. Im Jahre 1849 wandte er sich in Düsseldorf unter Th. Hildebrandt der Ölmalerei zu. Zeit in München. Dann kehrte er 1854 nach Braunschweig zurück, wo er als Lithograph und Porträtzeichner lebte. Zusätzlich erlernte noch das damals aufkommende Handwerk der Photographie in München, welches ihm F. W. Pfeiffer als weiteres Standbein angeraten hatte. Die Aufträge für Lithographen waren damals rückläufig. Als Ausbilder fungierte Pfeiffers Schwager Holz. Auf seiner Visitenkarte, die in einem Skizzenbuch von AN zu finden war, ist vermerkt: Photograph. Atelier von Emil Schulz, Portrait-Maler, Promenade am Petrithor No.: 23, Braunschweig.

Auch Emil Schulz und Friedrich Wilhelm Pfeiffer waren eng miteinander befreundet, besuchten sich, halfen einander und verkehrten zeitlebens brieflich miteinander.

In Ludwig Hänselmanns „Fünfzigjährige Denkwürdigkeiten des Kunstclubs zu Braunschweig“ von 1886 sind neben Skizzen von Pfeiffer und anderen auch einige von E. Schulz veröffentlicht, die die Aktiven der Kegelabteilung „Rosser“ bei der Ausübung ihres Sportes charakterisieren. Emil Schulz überlebte seine beiden Freunde.

 Johannes Nickol berichtet:

In einem kleinen Vorzimmer konnte man auf einem Tischchen einen Stier bewundern, mit dem es folgende Bewandtnis hatte. Sein Freund Emil Schulz, auch ein Maler, den wir in Begleitung von Onkel Adolf 1892 oder 1893 in Brunnen am Vierwaldstädter See auch noch kennen lernten, hatte dieses große und grässlich modellierte Spielzeug als Geschenk gekauft und zur Besichtigung angebracht. Onkel Adolf aber redete das seinem Freund aus, er fand es unerhört einem dummen Jungen ein so kostbares Geschenk zu machen, und der gute Schulz ließ sich wirklich überreden. So blieb der Stier dann stehen und erfreute statt eines kleinen nun ein großes Kind.

 Familie Vieweg. Es waren verwandtschaftliche Beziehungen, die Nickol mit der Familie Vieweg verbanden, denn sowohl Vieweg als auch Nickol haben in der Vergangenheit Frauen der Familie Campe aus Deensen geehelicht.

Der Vieweg Verlag ist ein deutscher Fachverlag. Er wurde 1786 von Friedrich Vieweg in Berlin gegründet und war von 1799 bis 1974 in Braunschweig ansässig.

Familie Käufel, Braunschweig (Von Johannes Nickol in der Chronik etrwähnt)

 Familie Bartels aus Königslutter, aus der die 2. Frau des 4. Bruders Eduard und Begründer der bis heute bestehenden Linie stammte.

 Ludwig Nieper, *12.07.1826 Braunschweig, †1906, ebenso Schüler von Brandes, war auch Mitglied bei den „Rossern“

Johann Varrone, *1832 Mailand, † 1910 Wien, lernte er auf seiner ersten Italienreise kennen. Die Freunde beschenkten sich mit eigenen Arbeiten.

 Friedrich (Fritze, Fritz) Wilhelm Theodor Brettschneider

Kupferstecher in Braunschweig, von 31.10.1821 Wolfenbüttel bis 19.10.1878 (Starb nach schwerer Krankreich)

Fritze und auch Brettschneider mehrfach erwähnt in den Briefen von F.W. Pfeiffer an Emil Schulz

 Alexandre Pierre Jacques Markelbach, Maler, *1824 Antwerpen –†1906 Brüssel, kennen gelernt 1849 in Antwerpen

 August Noack, ebenfalls kennen gelernt 1849 in Antwerpen.

 Richard Freytag, war ein Freund von Noack.

 Zu seinen Freunden gehörten natürlich auch die Mitglieder des Kunstclubs Braunschweig, constituiert am 4.11.1836, die sich in der Unterabteilung „Rosserclub“ zu Kegelabenden auf Bartels Garten an der Masch trafen.

Zu den Mitgliedern gehörten neben angesehen Bürgern die bekannten Braunschweiger Maler Henneberg, Nickol, Nieper, Pfeiffer, Schulz und Tacke.

Nickol und Pfeiffer traten 1846 gemeinsam dem Kunstclub bei.

 Adolf Nickol ist nicht vergessen

 2001: Braunschweig. Das Städtische Museum präsentiert eine Ausstellung mit Werken von Adolf Nickol.

2005: Braunschweig. Zum 100 Todestag fand am 16.06.2005 um 16:00 im Städt. Museum am Löwenwall eine öffentliche Führung durch die Sonderausstellung zum 100. Todestag von Adolf . Nickol statt, Titel: „Vom Harz nach Neapel“

Die Sonderausstellung mit dem Moto „Vom Harz nach Neapel-Reisetagebuchblätter eines Malers“ wurde vom 8. Mai – 31. Juli 2005 gezeigt.

2006: Braunschweig

Zum 100-jährigen Jubiläum des Städtischen Museums am Löwenwall präsentiert die Ausstellung „Von Kaisern, Zigeunern und ‚Lütticher Mädchen’– die frühen Erwerbungen des Braunschweiger Kunstvereins“ zum ersten Mal den Grundstock der Gemäldesammlung des Städtischen Museums aus dem 19. Jahrhundert. Darunter befinden sich zahlreiche Kunstwerke, die seit Jahrzehnten im Depot verschwunden waren und die mit Hilfe großzügiger Sponsoren restauriert werden konnten.

Zu mehreren Bildern werden Vorstudien, Skizzenbücher, Ölstudien und Druckgrafiken gezeigt. Dank der Leihgaben aus der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und dem Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig kann der Besucher die Entstehungsgeschichte einiger Gemälde nachvollziehen – beispielsweise bei dem „Kampf mit dem Adler“ des Braunschweiger Malers Adolf Nickol, dessen Nachlass 1905 auf das Herzog Anton Ulrich- und das Städtische Museum verteilt wurde. Erstmals werden seine Skizzenbücher und Ölstudien, mit denen er seine Gemälde vorbereitete, gemeinsam ausgestellt.

 2011: In der ersten Etage des 2007 in der Frontansicht rekonstruierten Braunschweiger Residenzschlosses wurden sieben Säle als Museum nutzbar gemacht. Die Galerie ist mit Reproduktionen ehemaliger Großgemälde von Adolf Nickol, die einst im Ballsaal hingen und im 2. Weltkrieg ein Raub der Flammen wurden, ausgestattet. Im Städtischen Museum Braunschweig hatten jedoch Entwürfe dieser wunderbaren italienischen Landschaften überdauert und können nun wieder bewundert werden.

Diese sind von lnr.:

1 Taormina, das griechische Theater mit Ätna, Sizilien

2 Mt. Soracte nördlich Rom

3 Tempel der Segesta, Sizilien

2012: Am 30.6. wird das Städtische Museum in Braunschweig nach länger andauernder Renovierung wieder eröffnet. Der Raum Nr. 5 im 2.OG ist den Braunschweiger Malern und ihren Vermächtnissen gewidmet. Adolf Nickol ist mit seinem Werk Landschaft an der Teufelsmauer im Harz und zwei Tierstudien von Schafen aus dem Jahr 1880 vertreten.

Gegenüber hängt das wunderbare Genrebild seines Freundes Friedrich Wilhelm Pfeiffer mit dem Titel „Heuernte“. So sind beide über den Tod hinaus vereint.

 Zeitgenossen in Braunschweig:

Johannes Nickol schreibt:

Bei einem Besuch bei Onkel Adolf begegneten wir auf einem Spaziergang Wilhelm Raabe, (Schriftsteller, Maler, Zeitkritiker, 1831–1910) mit dem er sich begrüßte und den ich so zu meiner Freude von Angesicht zu sehen bekam.

 Wilhelm Raabe war ein Schriftsteller und Erzähler, bekannt durch seine gesellschaftskritischen Erzählungen, Novellen und Romane. Ehrenbürger von Braunschweig 1901.

 Ludwig Hänselmann (*4.3.1834, Braunschweig – †22.3. 1904 ebenda) war ein deutscher Historiker, erster hauptamtlicher Archivar der Stadt Braunschweig und weckte durch den „Kunstclub“ das Kunstverständnis in Braunschweig.

Vgl.: Der Kunstclub in Braunschweig 1836-1886. Fünfzigjährige Denkwürdigkeiten zum vierten November 1886/ gesammelt von L. Hänselmann. Digitale Bibliothek Braunschweig.

 Carl Schiller (*23.5.1807, Braunschweig – †28.6.1874 ebenda) war ein deutscher Historiker, Kunsthistoriker und Privatgelehrter. Er war Gründer und erster ehrenamtlicher Leiter des Städtischen Museums Braunschweig. Die Einweihung des Neubaus fand jedoch erst 1906 statt.

Im Vorfeld der Jahrtausendfeier der Stadt 1861 wurde die Gründung einer Sammlung kultureller und künstlerischer Leistungen der Bürger Braunschweigs vorbereitet. Schiller gründete dazu 1859 einen Sammlerverein, der erhaltenswerte Gegenstände im Herzogtum Braunschweig zusammentrug. Die in Anlehnung an die damaligen Altwarenhändler, die „Kleiderseller“, als „Die ehrlichen Kleiderseller von Braunschweig“ bezeichnete Vereinigung besteht bis heute. Das Städtische Museum wurde am 1. Mai 1865 im Neustadtrathaus unter Schillers ehrenamtlicher Leitung eröffnet. Seine Privatsammlung überließ Schiller dem Museum, das heute umfangreiche Bestände aus den Bereichen Kunsthandwerk, Malerei, Graphik, Skulptur, Volks- und Völkerkunde, Numismatik und Textil besitzt.

Johannes Nickol beschreibt seinen Großonkel

Er war von ziemlich großer Gestalt, (wie überhaupt alle Nickols erheblich größer als mein Vater waren) das ovale Gesicht, von dunklem Haar und dunklem Backenbart und einem etwas über den Mund fallenden Schnurrbart eingefasst, zeigte ein gesundes Inkarnat, das im Sommer leicht bräunte. Unter kräftigen, mit dichten Brauen besetzten Augenbogen blickten die braunen Augen frei und fest in die Welt. Die Nase war eine echte Nickol - Nase mit betonten Nasenlöchern und einem rundlichen Ende. Im Alter trat der große Schädel mehr hervor und bot, namentlich im Profil einen sehr charakteristischen Anblick. Leider sind weder sein Bild noch Fotografien von ihm mehr vorhanden. Er blieb bis in sein Alter hinein, wo er an der Zuckerkrankheit litt, ein gesunder Mensch, ein Mensch von seelischem Gleichgewicht.

Sein Familiensinn zeigte sich nicht nur durch seine Beziehungen, die er zu seinen Verwandten aufrecht erhielt, er brachte auch Opfer dafür. So unterstützte er zusammen mit meinem Vater seinen Neffen Werner Nickol, der in seinen geschäftlichen Unternehmungen keine glückliche Hand hatte. Auch seiner Nichte Elise, die spät aber unglücklich geheiratet hatte, nahm er sich bis zu ihrem Tode an. Sie lebte zuletzt bei ihrem Bruder August Nickol in Göttingen.

Bei einer gewissen Urwüchsigkeit war er ein guter Gesellschafter, der famos zu erzählen wusste, eine aufrichtige Natur, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hielt, und von einem trockenen echt niedersächsischen Humor, der uns manche frohe Stunden bereitet hat. Er war gewohnt, sich durchzusetzen, so z.B. auch mal seinem kranken Zahn gegenüber, der ihm heftige Schmerzen verursachte, und den er nach dem Prinzip: Er oder ich, mit kaltem Wasser so lange zu Leibe ging, bis der Zahn das Rennen aufgab. Köstlich war auch die Geschichte, mit den neu besohlten Stiefeln, die zu glatte Sohlen hatten, dass er die ganze Treppe von Stufe zu Stufe unter endlosen Flüchen auf den verdammten Schuster herunter rutschte, um dann auf der Straße angekommen, die Sohlen erst gründlich auf dem Pflaster auf zu scheuern. Das muss man ihn natürlich selbst erzählen hören.

Während seiner Reise 1849 nach den Niederlanden plagten Adolf Nickol starke Zahnschmerzen.

F.W. Pfeiffer erwähnt dies in seinem Brief an Emil Schulz.

In welcher Zeit lebten und arbeiteten Adolf Nickol und seine Zeitgenossen?

Ein kurzer Ausflug in die Geschichte.

 Als Biedermeier wird die Zeitspanne von 1815 (Wiener Kongress) bis 1848, Beginn der bürgerlichen Revolution in den Ländern des Deutschen Bundes, bezeichnet. Dieser Begriff entstand erst um 1900, richtiger sind die Begriffe Restauration und Vormärz. In dieser Zeit dominierten in der Kunst Historienmalerei, Genre- u. Landschaftsmalerei, aber auch das Porträt.

Die kleinbürgerliche Idylle, der Rückzug ins Private war dem Bürger wichtig, die durch die napoleonischen Kriege und ihrer Auswirkungen in den danach folgenden Jahren genug gelitten hatten. Es dauerte lange, bis wieder ein gewisser Wohlstand in der Bevölkerung erreicht war, und den wollte man auch genießen.

Im Jahre 1830 gab es jedoch in Braunschweig Unruhen, die mit der Flucht des Herzogs Karl II. endeten. Ein erstes Aufbegehren gegen die Feudalherren. Diese politische Krise hatte er allerdings selbst verschuldet durch Verweigerung gegenüber Regierungsbeschlüssen und wegen seiner Prunksucht war er beim Volk und dem Adel unbeliebt.

Die industrielle Entwicklung setzte etwa nach 1841 ein. Industriezweige und Betriebe entwickelten sich im Herzogtum: Eisenbahnbau, Maschinenbau, Zuckerverarbeitung, Konservenfabriken, Brauereien, optische Geräte, Klavierbau, Verlagswesen. Wenn man aus heutiger Sicht einen Teil dieser rasch wachsenden Betriebe beleuchtet, erkennt man, wie sehr die Umwelt schon gelitten haben muss. Damals nahm man dies noch leichter hin. Aber unbemerkt blieb es nicht, wie Wilhelm Raabes zeitkritischer Roman „Pfisters Mühle“ beweist.

Die Februarrevolution 1848 in Frankreich führte in den deutschen Staaten zur Märzrevolution.

Die Paulskirchenverfassung trat nie in Kraft. 1850 wurde der Deutsche Bund wiedergegründet. Gemeinsam wandten sich die Staaten insbesondere mit koordinierten polizeilichen Maßnahmen während der Reaktionsära gegen die Opposition: Nach der Zulassung von politischen Zusammenschlüssen 1860 entstanden in Deutschland neue Parteien und Gewerkschaften.

1863 gründete Lassalle den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, der Vorläufer der SPD. Der preußische Verfassungskonflikt, der 1859 begann, brachte Bismarck an die Macht und damit eine Stärkung des Königs gegenüber dem Parlament. 1864, 1866 und 1870/71 kam es zu drei Kriegen, die siegreich für Preußen und die Verbündeten ausgingen. Dann folgte durch die Reichsgründung das Kaiserreich bis zu seinem Ende 1918. Diese Zeit brachte einen ungeheueren Aufschwung mit sich. Die Reparation Frankreichs von 5 Milliarden Franc war ein Auslöser des Booms der Gründerzeit. Ein rasantes Wirtschaftswachstum wurde in dem neuen Wirtschaftsraum ausgelöst. Dieses mündete aber 1873 in einer ersten Wirtschaftskrise und es kam zum Gründerkrach. Die Folgen der Depression waren noch 2 Jahrzehnte lang zu spüren. Trotzdem wurden durch Schaffung einer Hochseeflotte und durch die wachsende militärische Stärke des Reiches der Grundstock für einen großen Krieg gelegt. Im Kaiserreich unter Wilhelm II. bestand im Bereich der Kunst die größte vorher nie gekannte Freiheit des Einzelnen. Gute Voraussetzungen für Kunst schaffende Menschen. Auf dem sozialen Sektor jedoch waren durch die starke Industrialisierung des Reiches mit seinen Werktätigen und das erstarkende Bürgertum noch viele Probleme zu lösen.

Johannes Nickol schrieb über die Ansichten seines Onkels:

Im Anschluss daran möchte ich noch erwähnen, dass er steif und fest an einen kommenden Krieg glaubte, und er empfahl meiner Mutter wiederholt immer 2000 Mark bei sich zu haben, da bei Kriegsausbruch ein Sturm auf die Banken einsetzen und man dann ohne Geld dastehe. Wir haben uns über seine Kriegsbesorgnis immer etwas lustig gemacht. Leider hat er damit nur zu sehr Recht behalten.

 Dies musste Adolf Nickol zum Glück nicht mehr selbst erleben.

Viele Maler wandten sich diesen neuen Motiven zu, wie etwa Adolf Menzel mit seinen Bildern von hart arbeitenden Menschen in den Fabriken (Eisenwalzwerk.) Viele pflegten die Historie, auch die Kriegsereignisse wurden in Schlachtenbildern glorifiziert. Man zeigte auch mehr und mehr die Schattenseiten des Lebens.

Nickols Bilder fanden auch ohne Anpassung an Neuerungen regelmäßig Käufer und wurden ihm oft von der Staffelei weg gekauft.

Adolf Nickol blieb Zeit seines Lebens seinem Metier treu. „Plündernde Kosaken“ ist das einzige bekannte Bild, welches auf Kriegsereignisse hinweist. Mit dem damals in der Öffentlichkeit dominierendem Militär in der Garnisonstadt Braunschweig hatte er nichts im Sinn.

Seine ersten Arbeiten weisen noch eine Anlehnung an den Malstiel seines Lehrers Heinrich Brandes auf, von dem er sich im laufe der Jahre mehr und mehr entfernte.

In seinem Bildern beschränkt er sich nicht nur auf die reine Darstellung von Landschaften mit weidenden Tieren, sondern oft erhöht er die Spannung durch brenzlige oder gar gefährliche Situationen, die durch drohend aufziehende Wetterereignisse noch verstärkt werden. Dies steigert unbewusst die nicht müde werdende Spannung beim Betrachter.

Sehr deutlich zeigt dies sein Gemälde mit dem Titel: „Der Kampf mit dem Adler“ von 1856 (Städtisches Museum Braunschweig).

Auf seinen Malerreisen fertigte Adolf Nickol unzählige, sehr sorgfältige Ölstudien und Bleistiftskizzen von Personen, Pflanzen, Baumriesen, Felsen, Tieren, Landschaften, Bauwerken und Wolkenformationen an. Er verfügte über eine sehr gute Beobachtungsgabe und eine perfekte Maltechnik. Dies zeigt sich in der Auswahl der Motive, die einer große Liebe zur Natur Ausdruck geben. Aus diesem reichhaltigen Vorrat konnte er nach der Rückkehr in sein Atelier in Braunschweig schöpfen. Besonders aktiv war er in seinen großen Ferien, die er selten in Braunschweig verbrachte. Während des normalen Lehrbetriebs am Carolinum verblieb ihm wenig Zeit zum malen.

Auch auf seiner ersten Malerfahrt nach Italien fand nicht nur die Landschaft sein Interesse. Die Menschen waren ihm auch wichtig, dokumentiert durch viele Studien von Frauen und Männern in ihren einheimischen Trachten. Auch sollen die vielen hervorragenden lebensnahen Porträts, die er im Laufe seines Lebens von engen Verwandten und Freunden malte, nicht unerwähnt bleiben.

Adolf Nickol schuf im Laufe seines Lebens mehr als 200 Ölgemälde unterschiedlichen Formats.

Seine Werke sind keiner der bekannten Malschulen eindeutig zu zuordnen. Anfangs spürt man noch den Einfluss von Heinrich Brandes in seinen Bildern. Adolf Nickol hielt sich in Antwerpen und München länger auf, eingeschrieben war er jedoch nicht.

Seinen künstlerischen Nachlass vermachte er 1894/99 testamentarisch der städtischen Galerie im Altstadtrathaus (Das spätere Städtische Museum Braunschweig) und dem Herzoglichen Museum in Braunschweig. Er bestand aus fast 50 Skizzenbüchern, ca. 300 Bleistiftzeichnungen, ebenso vielen Ölstudien, Aquarellen und Pastellen, sowie acht Gemälden. Die Nachlassteilung war nicht im Detail geregelt und fand 1905 eher willkürlich statt, sodass heute Vorstudien und Gemälde an verschiedenen Orten zu finden sind. Ein Wunder, dass diese zwei Weltkriege überdauert haben. Auch die Familie des Künstlers wurde mit einigen Bildern aus dem Nachlass bedacht. Wo diese heute zu finden sind, ist mir nicht bekannt.

Nachwort:

Durch die Kriegseinwirkungen am 19.3.1045 wurden in Hanau neben mehreren Gemälden Nickols auch das private Werksverzeichnis mit Angabe der Daten und der jeweiligen Käufer vernichtet.

Ein Anliegen ist es auch etwas über den Verbleib der Werke von Kunstliebhabern und Sammlern oder Museen zu erfahren und so ein neues Verzeichnis zu erstellen.

Mein Dank gilt den damaligen Kuratoren des Städtischen Museums Braunschweig, Herrn Justus Lange, Dr. Julia M. Nauhaus und des Herzoglichen Anton Ulrich Museums Braunschweig, Herrn Dr. Döring für ihre freundliche Unterstützung und fachliche Hilfe.

Ebenso Frau Ingrid Schnitzenbaumer (geb. Rietscher), ein Nachfahre von F. W. Pfeiffer, die mir die Briefe Pfeiffers an Emil Schulz zur Verfügung stellte.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass das Städt. Museum 2009 ein vollständiges Bestandsverzeichnis und Verlustdokumentation ihrer Gemäldesammlung publiziert hat.

 

Literatur:

Biographie Friedrich Wilhelm Pfeiffer, Maler d. Reitpferde König Ludwigs II., Verlag Bayerland

Briefe Pfeiffer an Emil Schulz, Archiv Wolfenbüttel, Niedersachsen

Chronik Joh. Nickol

Hänselmann, Der Kunstclub in Braunschweig

Die Lust und Pracht Italiens, CoCon Verlag Hanau

Gemäldesammlung, Städt. M. Braunschweig, OLMS

Webseite: Goethe, Italienreise

Städt. Museum Braunschweig

GeoEpoche: Die Romantik, Bismarck, Deutschland um 1900

Sehnsucht Italien, Städt. M. B. Schnell +Steiner

Heinrich Brandes, Städt. M. B.

Norbert Nickol

Hanau im Jahre 2011

Ergänzt 2013

 

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